Was können wir in dieser globalen Welt zur Vermeidung von Hunger und Armut beitragen?
In letzter Zeit haben mehrere Kunden nach Suppenhühnern gefragt. Dies möchte ich zum Anlass nehmen, das Thema reiches Europa –armes Afrika zu vertiefen. In meiner Freizeit engagiere ich mich ehrenamtlich beim Weltgebetstag der Frauen und freue mich jedes Jahr mit Frauen aus anderen Ländern ein Stück Weg zu gehen und mehr über Ihre Lebenssituation zu erfahren. Am Ende des Berichtes habe ich zusammengestellt, was wir als "kleine" Verbraucher als Beitrag leisten können.
Ein sehr starker Eindruck hat der Bericht von 2010 aus Kamerun hinterlassen:
Tierhaltung ist in weiten Teilen Afrikas wesentlich Frauensache. Während die Sache der Männer der Ackerbau ist, weil sie auch die Landbesitzer sind, weichen die Landfrauen als eigenständige Erwerbsgrundlage gerne auf die Nutztierhaltung aus. Sie macht die Frauen unabhängiger von den Männern und gewährt ihnen ein Ansehen in der Dorfgemeinschaft. Kleintierhaltung wie Geflügel, Kaninchen, Ziegen und Schafe sowieso, doch selbst moderne Milchkuhhaltung spricht Frauen an. Den Beitrag, den die Tiere zur Armutsbekämpfung, Frauenförderung und verbesserten Ernährung der Kinder leisten ist gar nicht hoch genug einzuschätzen.
Doch leider fällt in letzter Zeit ein böser Schatten auf diese Frauenökonomie. Billigstimporte an tief gefrorenem Hähnchenfleisch und Milchpulver aus Europa drücken die Preise auf dem internen Markt und stürzen die Frauenprojekte in den Bankrott. Was die Entwicklungshilfe in 20 Jahren mühselig aufgebaut hat, wird durch den Export unserer Agrarüberschüsse in kürzester Zeit zerstört.
Geflügel war und ist in Kamerun auf dem Speisezettel sehr beliebt. Bis 1996 hat sich Kamerun selbst mit Geflügel versorgt. Die Mehrzahl der Haushalte waren „Hühnerhaushalte“, d.h. Frauen hielten bis zu 70% aller Hühner und spielten eine erhebliche und produktive Rolle in der lokalen Wirtschaft. Von dem kleinen Gewinn konnten Frauen ihre Kleinst-Betriebe auf Kreditbasis erweitern, ihre Kinder zur Schule schicken und die Ernährung der Familie sichern. Seit dieser Zeit jedoch überflutet importierte, tief gefrorenes Hähnchenfleisch aus Europa und anderen Ländern den kamerunischen Markt. Niedrige Zölle, Korruption und ein mangelhaftes Kontrollsystem ebneten der Importsteigerung von Tiefkühlgeflügel aus Europa den Weg. Es waren vor allem die billigen Teile, die in Europa keinen ausreichenden Absatz fanden und die beim Schlachten als Nebenprodukte anfielen. Dies Fleisch wurde konkurrenzlos billig auf den Märkten verkauft und verdrängt das heimische Geflügel. Die gefrorenen Hühnerteile gefährdeten aber auch die Gesundheit der kamerunischen Bevölkerung, da eine geschlossene Kühlkette oft nicht gewährleistet werden konnte, - 4/5 der tief gefrorenen Hühnerteile waren nach Feststellung aus Proben für den menschlichen Verzehr ungeeignet. Aber der Hühnerwahnsinn hatte noch weitere Auswirkungen: Mit jeder importierten Tonne Hähnchenfleisch verschwanden 5 Arbeitsplätze in Kamerun.
In Kamerun ging diese Geschichte positiv zu Ende: 2003 boykottierten KonusumentInnen in Kamerun das tief gefrorene Hähnchenfleisch aus Europa. Die Regierung reagierte und beschränkte die Importmengen.
Eigentlich eine Erfolgsstory! Doch leider wiederholen sich in jüngster Zeit vergleichbare Vorgänge mit anderen Produkten:
Im Jahr 2008 geht durch die Medien, dass von der EU subventioniertes, tief gefrorenes Schweinefleisch zu Dumpingpreisen auf Kameruns Märkten verkauft wird. Lokale SchweinemästerInnen fürchteten um ihre Existenzen. (Report Mainz v. 28.04.2008, SWR)
Im Herbst 2008 deckt ACDIC einen Korruptionsskandal im Umfeld des kamerunischen Agrarministeriums auf. Umgerechnet 1,8 Mio. Euro, vorgesehen zur Stabilisierung der Maispreise, so die Anschuldigung, landeten in den Taschen korrupter Beamter. Eine Regierungskommission hat die Vorwürfe jetzt bestätigt.
Im August 2009 veröffentlichen der EED und „Brot für die Welt“ eine Studie, dass billiges, subventioniertes Milchpulver aus Europa und den USA die lokalen Milchmärkte und die Existenzen der Bäuerinnen und Bauern in Kamerun bedroht.
Was kann nun ich als einzelner Verbraucher dazu beitragen?
Wir können durch unser Verbraucherverhalten, die Welt verändern, ganz nach dem Lied: „Viele kleine Menschen, die an vielen kleinen Orten, viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern. „
1.) Können wir uns beim Einkauf erkundigen, woher unser Fleisch kommt und was mit den Restbeständen beim Erzeuger gemacht wird
2.) Können wir nur noch bei Erzeugern einkaufen, die uns Antwort auf unsere Fragen geben
3.) Können wir ganze Hühner kaufen und diese verbrauchen
4.) Müssen wir selbst wieder lernen, wie man ganze Hühner zubereitet und selbst verbraucht
5.) Müssen wir unseren Kindern beibringen, wie ganze Hühner zubereitet werden, denn viele können nur noch Fertigprodukte zubereiten.