Bio News

Wo kommen denn die ganzen Bio-Sachen überhaupt her? Oktober 2007

Diese Frage wird uns häufig, wenn auch meist provokanter Weise, von Kritikern des Biomarktes gestellt. Selbstverständlich interessiert uns  auch wie das mit den importierten Waren funktioniert.

Glücklicher Weise haben wir über lange Zeit im Jahr viele eigene Produkte von unserem Obst- und Weinbaubetrieb sowie von der Biolandgärtnerei Laiseacker, unserem Partner.

Manche Produkte können wir dann noch von regionalen  Kollegen beziehen, deren genaue Produktionsweise wir kennen.

Alle Produkte, die bei uns nicht wachsen, importieren wir entsprechend der EG-Ökoverordnung. Diese legt den Anbau fest und sorgt für den Biostandard der streng von staatlich anerkannten Organisationen kontrolliert wird. Die importierten Waren kaufen wir bei zwei Händlern in Stuttgart, die ausschließlich Bioware anbieten.

Zusammen mit unserem Händler, Hansjörg Schrade  von der Firma Ecofit, wollen wir unsere Bezugsquellen noch besser kennenlernen und so zusätzliche Sicherheiten für uns und unsere Kunden schaffen.

Aus diesem Anlass besuchten wir mit  9 weiteren  Personen, die meisten aus Süddeutschland, im Oktober eine Kooperative in Westgriechenland. Von dieser Genossenschaft kaufe ich und die Kollegen Zitrusfrüchte über den Importeur Ecofit zu. Allen Reiseteilnehmern ist eine optimale Prozess- und Produktqualität ein sehr großes  Anliegen.

 

Kleiner Reisebericht:

Biobauern

Bei schönstem Herbstwetter mit ca. 20 Grad Celsius sind wir in Athen gelandet und mit 2 Mietautos über den Kanal von Korinth in den Westen von Griechenland gefahren. Auf der Fahrt konnten wir schon die starken Unterschiede der griechischen Landschaft erleben, wo sich karge, kaum bewachsene Bergrücken mit sehr fruchtbaren, vor allem mit Dauerkulturen wie Zitrus, Oliven, Wein, bepflanzten flacheren Bereichen, abwechseln. Erschreckender Weise waren  immer wieder größere Areale schwarz und  verbrannt zu sehen und auch Gegenden zu erkennen, die schon vor Jahren durch Waldbrände zerstört waren.

Nach mehreren Stunden beengter Autofahrt wurden wir dann in Messolonghi von Herrn Karantinos empfangen und in einem malerischen Bergdorf in einer Ferienpension untergebracht.

Abenddaemmerungsbesuch     In der Abenddämmerung besuchten wir noch einen Zitrusbauern, dessen Anlagen sehr gepflegt waren und der ein klares Konzept der organischen Düngung mit Mist und Einsaat von Leguminosen auf seinem Betrieb durchführte.

Auch im griechischen Ökolandbau sind Leguminosen, die die Fähigkeit haben zusammen mit Bakterien Luftstickstoff in Pflanzennährstoff umzuwandeln, wichtige Partner zur Versorgung der Pflanzen.

Beim Abendessen wurden wir mit griechischen Köstlichkeiten und griechischem Biowein verwöhnt, so dassder Schlaf deutlich zu kurz kam.

Bei den Betriebsbesuchen wurde uns deutlich, dass ökologischer Zitrus-Anbau in Westgriechenland viele Parallelen zum Obstanbau in Baden-Württemberg aufweist. Es gibt je nach Betrieb Unterschiede in der Intensität. Manche Betriebe lassen die Bäume einfach wachsen, was zu sehr dichten und schlecht durchlüfteten Bäumen führt. Andere machen nicht nur ein gezieltes Programm der Bodenpflege mit Einsaat, organischer Düngung und regelmäßigem Mähen sondern sorgen auch durch gezieltes Schneiden für gut durchlüftete Bäume.

Biozitronen

 

Sicherlich die Ausnahme war ein Betrieb, dessen zusammenhängende Zitrusplantage (ca. 10 Fußballfelder groß) eingezäunt war und gleichzeitig als Gehege für die Schweinehaltung mit halbwilden Schweinen diente. Die Schweine haben dabei mehrere Funktionen. Sie fressen herabfallende kranke Früchte, sie beseitigen die tiefhängenden oftmals beschmutzten Früchte, sie halten die Konkurrenzpflanzen kurz und sie lockern den Boden, indem sie mit dem Rüssel im Boden wühlen.

Zum Zitrusanbau gehört allerdings auch eine Spritze, d.h. es werden ganz gezielt Präparate ausgebracht die im ökologischen Anbau zulässig sind. Dazu gehören ca. 2 Spritzungen mit geringen Mengen Kupfer (Verringerung der Fruchtfäulnis), sowie das gezielte (teilweise in Flaschen aufgehängt) Ausbringen von Chrysanthemenextrakt zur Reduzierung der Mittelmeerfruchtfliege. Dieser Schädling ist hauptsächlich für das Faulen der reifen Früchte verantwortlich Schweine in der Zitrusplantage zur Pflege.

Bei den Besichtigungen des dritten Tages stand vor allem die neu errichtete Sortier- und Lagerhalle im Vordergrund. Der Genossenschaft „Agroenvironmental Network of West Hellas“ gehören ca. 1000 Bauern an, die ca. 8000 Hektar Biofläche bewirtschaften. Ein Teil dieser Betrieb hat sich nun an der Errichtung einer eigenen Sortier- und Lagerhalle beteiligt. Mit deutlicher Unterstützung der EU sowie des griechischen Staates wurde ein modernes Gebäude erstellt. Die Bauern liefern ihre Zitrusfrüchte sowie Kiwis dort an und die Früchte werden dann auf einer vollautomatischen Maschine gewaschen und nach Größe und Gewicht sortiert. Durch die neuen Kühlhäuser ist es dann kein Problem eine ganze Lieferung nach Süddeutschland vorzubereiten.  Diese große Investition soll vor allem gewährleisten, dass nur Bio-Früchte auf einer Maschine sortiert werden und keine Kontamination stattfindet. Außerdem kann jetzt jederzeit auf eine Bestellung reagiert werden und somit eine höhere Zuverlässigkeit der Lieferung bzw. der Lieferzeit garantiert werden.

Obstkiste aus Griechenland

Beim abschließend Besuch in Olympia wurden wir morgens von einem deutlichen Erdbeben, das die Einheimischen allerdings als schwach bezeichneten, geweckt. In der Region rund um Olympia wurde uns dann nochmals das Ausmaß der Waldbrände deutlich. Die ortsansässigen Kollegen erzählten uns, dass nur durch gezieltes Roden und vorbereitendes Abfackeln die Zerstörung der historischen Grabungen verhindert werden konnte.

Kiwi

Vor unserer Rückfahrt besuchten wir noch ein Weingut, das derzeit viel für die Weinqualität, d.h. in kellertechnische Verbesserungen investiert. Ich will versuchen Ihnen griechischen Biowein von diesem Betrieb in nächster Zeit anzubieten.

Rückblickend war es für mich eine sehr lehrreiche und interessante Reise, die auf beiden Seiten ein gewisses Vertrauensverhältnis geschaffen hat. Wir konnten uns von den ehrlichen Anstrengungen aller Beteiligten überzeugen den Bioanbau vor Ort voranzubringen und verlässliche Partner für uns als Kunden zu sein. Ich werde versuchen im Lauf des Winterhalbjahres einen großen Teil der Zitrusfrüchte von dieser Kooperative zu kaufen. Die Erfahrungen dieses Besuchs sind mir Ansporn auch andere Lieferanten, z.B. für Aprikosen, Nektarinen und vielleicht auch mal der Bananen, kennenzulernen.

Herzliche Grüße aus Brackenheim

Ihr Jürgen Winkler  

 

Bio Bauern