Das Freiwillige Ökologische Jahr bei WINO Biolandbau
Das Freiwillige Ökologische Jahr bei WINO Biolandbau
„FÖ – was??“ – So oder ähnlich war die Reaktion vieler auf mein Vorhaben nach dem Abi. Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein ökologisches Bildungsangebot für alle, die nach der Schule erste Erfahrungen in der Arbeitswelt sammeln und sich dabei über ihre Interessen und vielleicht auch die spätere Berufswahl klar werden wollen. Während des FÖJ lernen sie die eigenen Stärken und Fähigkeiten kennen und die ökologischen Probleme und Zusammenhänge unserer Zeit besser zu verstehen. Die Arbeiten an den möglichen Einsatzstellen sind ganz unterschiedlich, sie reichen von Büroarbeit über pädagogische Mitarbeit bis zum praktischen Naturschutz: Natur- und Umweltschutzgruppen bieten FÖJ-Stellen an, Umweltabteilungen von Kommunen sowie Wirtschaftsunternehmen und es gibt Einsatzstellen in der ökologischen Land- und Forstwirtschaft.
Ich habe die für mich perfekten Einsatzstelle gefunden: Der ökologische Obst- und Weinbau WINO in Brackenheim. Die Familie Winkler betreibt einen vielseitigen ökologischen Obstbau und Weinbau mit einem Lieferservice, der den Kunden frische Bio-Lebensmittel frei Haus liefert.
Die Hauptbeschäftigung des FÖJlers ist in der Landwirtschaft, d.h. obst- und weinbaulichen Arbeiten je nach Saison. Aber je nach Interesse sind auch Einblicke in die Öffentlichkeitsarbeit, kleinere Arbeiten im Büro, Gestaltung von Verbandsaktivitäten sowie in der Obstverpackung möglich. Die Arbeit in der Landwirtschaft ist vielseitig: So fing mein Freiwilliges Ökologisches Jahr passend zur Haupterntezeit gleich intensiv an, d.h. Äpfel, Birnen und Tafeltrauben ernten und Trauben lesen.
Meist in größeren Teams unterwegs wird es nie langweilig und es gibt immer was zu lachen, was einen am Anfang die Gewöhnung an die ungewohnte körperliche Arbeit deutlich erleichtert. Nach der Erntezeit wird es langsam ruhiger auf dem Hof und die Arbeit wird vielseitiger: Fallobst auflesen und dann Apfelsaft machen, Pflanzen von jungen Bäumen, Aufstellen von Mausefallen und noch einiges mehr. Mit dem Schnitt der verschiedenen Beeren neigt sich der Herbst langsam dem Ende zu und das Schneiden der Weinberge und der Obstbäume ist nun die große Hauptaufgabe. Regelmäßige Arbeit ist das Abwiegen von Äpfeln und Birnen, die aus dem Lager kommen und von Großkisten in kleinere Kisten gesetzt werden. Aufgabe des FÖJlers ist auch die Recycling-Organisation, d.h. die wöchentliche Fahrt zum Recyclinghof.
Der FÖJler sollte auch über das Jahr ein eigenes Projekt betreuen, wozu einem aber auch viele Vorschläge gemacht werden. Ich habe mich dazu entschieden, eine CO2-Bilanz des Betriebs zu erstellen. Möglich wäre z.B. auch der Bau eines Wildbienenhotels.
Ergänzt wird die praktische Arbeit auf dem Betrieb durch 5 einwöchige Seminare des Trägers des FÖJ, der Landeszentrale für politische Bildung. Die Seminare sollen die Themen Nachhaltigkeit, Ökosysteme, Konsum und Verantwortung näher bringen, aber auch die Möglichkeit bieten, mit Gleichaltrigen Spaß zu haben und sich auszutauschen. Die Seminare sind nicht mit der Schule zu vergleichen, es herrscht eine lockere, entspannte Atmosphäre und es wird Wert auf Geselligkeit und Spaß gelegt. Die FÖJler gestalten die Seminare teilweise selbst, d.h. es werden von Gruppenmitgliedern die Themen vorbereitet und vertieft, die die Gruppe auch wirklich interessieren.
Meine anfänglichen Bedenken, ob ein FÖJ nach der Schule die richtige Entscheidung war, waren schon nach der ersten Woche auf dem Hof verschwunden. Die Arbeit ist abwechslungsreich und macht Spaß, man wird immer wieder neu gefordert und man muss auch mal „mutige Entscheidungen“ treffen. Allein ist man selten, zur Zeit arbeiten in der Landwirtschaft eine Weinbautechnikerin, zwei Azubis, der Chef selbst sowie Herr Winkler senior.
Die Atmosphäre auf dem Betrieb ist sehr gut. Die Familie Winkler macht seit 15 Jahren Bio aus Überzeugung und ist immer offen für Neues, Unkonventionelles, aber auch für persönliche Wünsche ist immer ein offenes Ohr da.
„Das FÖJ hat sich als eine erfolgreiche Verbindung von aktivem Engagement für die Umwelt, Umweltbildungsjahr sowie Jahr der Persönlichkeitsentwicklung und Berufsorientierung etabliert.“ (Zitat „Für mich und andere – FSJ FÖJ“) Diesem Zitat kann ich voll und ganz zustimmen. Mir ist durch mein FÖJ klar geworden, dass ich mir vorstellen kann auch in Zukunft in der Landwirtschaft zu arbeiten.
Das Freiwillige Ökologische Jahr ist für alle, die Spaß an praktischer und körperlicher Arbeit haben, an der frischen Luft sein wollen, nach der Schule mal ne „Auszeit“ brauchen, mehr über umweltbewusstes Leben erfahren und mit ihrer Arbeit zumindest einen kleinen Teil zur Erhaltung einer lebenswerten Umwelt beitragen wollen.
Weitere Infos zum Freiwilligen Ökologischen Jahr: http://www.foej-bw.de
Silvana Braun